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In Tansania wurde jetzt eine Pfarrei nach dem Namen des Seligen Pater Engelmar Unzeitig CMM benannt. Sie liegt in der Diözese Mbinga und Bischof John C. Ndimbo nahm die Weihe vor. Der Missionar von Mariannhill, Pater Dennis Auro CMM, kümmert sich als Pfarrer um die Gemeinde. 

 

 

 

Hunderttausende Männer, Frauen und Kinder wurden von den Nationalsozialisten zwischen 1938 und 1945 aus dem Deutschen Reich in Ghettos und Lager ver-schleppt. Die Deportationen fanden überall statt, am helllichten Tag und für alle sichtbar. Und doch sind bisher nur wenige Fotos bekannt. In einer groß angeleg-ten Kampagne sucht die Initiative #LastSeen. Bilder der NS-Deportationen weltweit nach weiteren Bildern und Informationen dazu. Jede und jeder kann mithelfen. 

Am 20. April 1941 wurden fast 1.000 Jüdinnen und Juden von München nach Kaunas in Litauen verschleppt und ermordet. 14 Fotografien sind von dieser Deportation überliefert – eine seltene Ausnahme. Obwohl Kameras Ende der 1930er Jahre verbreitet und Filme erschwinglich waren, sind nur wenige hundert Deportationsfotos aus etwa 50 Orten überliefert. Die Initiative #LastSeen. Bilder der NS-Deportationen der Arolsen Archives zusammen mit fünf nationalen und internationalen Partnern hat sich zum Ziel gesetzt, mehr dieser Aufnahmen zu finden. 

#LastSeen hofft auf Beteiligung vieler Freiwilliger 

#LastSeen wirbt dabei um Unterstützung der breiten Öffentlichkeit. „In alten Fotoalben und Kartons, auf Dachböden oder Flohmärkten, in Schubfächern oder Zeitungsarchiven könnten sich noch unentdeckte Fotos befinden“, sagt Dr. Henning Borggräfe, For-schungsleiter bei den Arolsen Archives, und hofft, dass sich möglichst viele Freiwillige an der Suche beteiligen. 

Bring Your Photo – Austausch mit dem #LastSeen-Team 

Deportationsfotos sind nicht immer leicht zu erkennen. Es sind zum Beispiel Menschen mit oder ohne Gepäck darauf abgebildet, vor Bahnhöfen oder auf Dorfstraßen, nicht im-mer ist Wachpersonal zu sehen. Historikerinnen und Historiker von #LastSeen bieten deshalb regelmäßig Veranstaltungen unter dem Motto „Bring your photo“ an – Sprech-stunden für den Austausch über Fotofunde, im Web und live vor Ort. Die Termine wer-den über die Website https://lastseen.org und die Social-Media-Kanäle der Kampagne #LastSeen bekannt gegeben. Online-Sprechstunden finden jeweils am ersten Dienstag des Monats von 16 bis 18 Uhr statt. Wer fündig wird, kann sich auch per E-Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) an die Initiative wenden. 

Ausstellung auf einem historischen LKW 

Anlaufpunkt ist außerdem die Wanderausstellung #LastSeen. Bilder der NS-Deportatio-nen, die in diesem Jahr durch mehr als 25 Orte in Deutschland tourt. Die Ausstellung auf der Ladefläche eines historischen LKWs informiert über die Deportationen, macht auf die Suchkampagne aufmerksam und gibt Tipps für die Recherche. Zur Ausstellungsroute: https://lastseen.arolsen-archives.org/ausstellung/ 

Digitaler Bildatlas und pädagogisches Programm 

Erste Ergebnisse von #LastSeen werden Ende 2022 in einem digitalen Bildatlas veröf-fentlicht und stehen dann sowohl der Forschung als auch der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung. Parallel dazu wird ein interaktives, partizipatives Tool entwickelt, mit dem Schülerinnen und Schüler das Bildmaterial zu Deportationen lesen und verstehen lernen. 

Bring your photo! Online-Sprechstunde: 

Jeden ersten Dienstag im Monat zwischen 16 und 18 Uhr, 

nächster Termin: 7. Juni 2022 

Weitere Termine: https://lastseen.arolsen-archives.org/erinnern-mitmachen/bring-your-photo/ 

Den diesjährigen diözesanen Gedenktag der seligen Märtyrer von Dachau wird Kardinal Reinhard Marx mit einem feierlichen Pontifikalamt am Sonntag, 12. Juni, um 9 Uhr in der Todesangst-Christi-Kapelle auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau begehen.

Über 200.000 Menschen waren in der Zeit von 22. März 1933 bis zur Befreiung am 29. April 1945 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert, mehr als 41.000 sind dort umgekommen bzw. ermordet worden. Die katholische Kirche hat bisher 57 von ihnen wegen ihres besonderen Lebens- und Glaubenszeugnisses zu Seligen erklärt. Dazu gehört auch unser Mitbruder, der Selige Pater Engelmar Unzeitig CMM. Vierzig von ihnen haben in diesem Jahr ihren 80. Todestag. Unter ihnen ist Titus Brandsma (1881-1942), ein niederländischer Ordenspriester, Journalist und Professor für Philosophie, der vor wenigen Tagen, am 15. Mai, als erster der seligen Märtyrer von Dachau in Rom heiliggesprochen worden ist. 
Am Vortag wird in diesem Jahr in Polen in besonderer Weise an Schwester Maria Felicitas Ellmerer aus dem oberbayerischen Grafing erinnert: Sie wird im Dom zu Wrocław, dem früheren Breslau, seliggesprochen. Sr. Maria Felicitas, 1889 in Grafing geboren und auf den Namen Anna getauft, tritt 1911 der Kongregation der Schwestern von der Heiligen Elisabeth bei und wird am 24. März 1945 in Neisse, dem heutigen polnischen Nysa, von Soldaten der sowjetischen Roten Armee erschossen, als sie sich und andere Frauen vor drohenden Vergewaltigungen schützte.
Um die Erinnerung an diese Glaubenszeugen im Bewusstsein zu halten und mit ihrem Lebenszeugnis die Menschen von heute zu ermutigen, ist im Jahr 2017 der Gedenktag am 12. Juni in der Erzdiözese München und Freising eingeführt worden. Mit einer Eucharistiefeier in der Todesangst-Christi-Kapelle, dem der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, vorstehen wird, wird dieser Seligen am Ort ihres Martyriums gedacht. Zum Gottesdienst erklingt die 1944 im KZ Dachau komponierte „Dachauer Messe“ des Benediktinerpaters und ehemaligen Häftlings Gregor Schwake OSB – aufgeführt von der Münchner Dommusik unter Leitung von Domkapellmeisterin Lucia Hilz.

Im „Hilfsnetzwerk für die Überlebenden der NS-Verfolgung in der Ukraine“ haben sich mittlerweile 47 Gedenkstätten, Museen, Vereine und Initiativen zusammengeschlossen. Dieses noch nie dagewesene Bündnis konnte in den letzten drei Monaten über 300 Menschen auf unterschiedliche Weise helfen. Dafür wurden bislang 62.000 Euro Spendengelder eingesetzt.

Zu den Hilfeempfängern gehören auch ehemalige sowjetische Kriegsgefangene. Die Rote Armee trug maßgeblich dazu bei, dass die deutsche Wehrmacht am 8. Mai 1945 kapitulierte und der Zweite Weltkrieg in Europa endete. Über 5 Millionen Soldat*innen der sowjetischen Armee gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft und über die Hälfte von ihnen starb in Folge von Gewalt, Mangelernährung und fehlender medizinischer Versorgung in den deutschen Kriegsgefangenenlagern oder wurde durch Erschießungen unmittelbar nach Gefangennahme oder in Konzentrationslagern ermordet. Die Soldat*innen der Roten Armee stammten aus allen Gebieten der ehemaligen Sowjetunion wie etwa auch der Ukraine. Die hochbetagten Überlebenden sind heute allesamt über 90 Jahre alt und in vielen Fällen bettlägerig oder auf besondere pflegerische Unterstützung angewiesen.

Hilfsnetzwerk engagiert sich für Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine

Den Überlebenden, die durch den aktuellen Krieg in der Ukraine erneut bedroht sind, gilt unsere besondere Aufmerksamkeit. Das Hilfsnetzwerk sucht daher derzeit den direkten Kontakt zu den Überlebenden in der Ukraine in Form von Telefonanrufen aus Deutschland. So konnte beispielsweise mit einem ehemaligen Kriegsgefangenen und seiner über 70-jährigen Tochter gesprochen werden, die in einem Dorf im besetzten Gebiet Cherson leben. Für sie bedeutete der Anruf ein Funken Hoffnung, denn ihre Lebensmittelvorräte und Hygieneartikel sowie Medikamente waren größtenteils aufgebraucht. Dieser akuten Versorgungsnotlage wird durch Hilfspakete aus Kyiv begegnet, realisiert über Spenden durch das Hilfsnetzwerk und Partner*innen vor Ort. Svetlana Nejelscaia (stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Vereins KONTAKTE-KOHTAKTbI) führt für das Hilfsnetzwerk unter anderem diese Telefonate und betont: „Die Hilfe wird jetzt so dringend benötigt wie nie. Wir brauchen weiterhin ein großes bürgerschaftliches Engagement und sind auf Spenden angewiesen, um die Unterstützung vor Ort auch über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten zu können.“

In Hinblick auf den 77. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom NS-Regime am 8. Mai 1945 wiederholen viele der Überlebenden ihre mahnenden Worte gegen Krieg mit besonderer Eindringlichkeit. Der ehemalige sowjetische Kriegsgefangene Lev Frankfurt brachte dies bereits vor einigen Jahren bei einer Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne auf den Punkt: „Der Friede ist kostbar. Das Leben ist kostbar. Die Freiheit ist kostbar. Sie sind die Basis unserer Würde als Menschen. Gerade in schwierigen Zeiten gilt es, diese Einsicht zu schützen und zu bewahren.“

Neu gegründetes Hilfsnetzwerk will Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine unterstützen.

Der Krieg in der Ukraine hat verheerende Auswirkungen für Millionen von Menschen und die Lage wird immer dramatischer. Auch etwa 42.000 Überlebende von NS-Lagern und -Verfolgungsmaßnahmen leben in der Ukraine. Ihnen muss jetzt und langfristig vor Ort geholfen werden. Grundbedarfsgüter wie Nahrungsmittel, lebenswichtige Medikamente und Kleidung werden bereits in manchen Gebieten immer knapper oder stehen gar nicht mehr zur Verfügung. Fluchtartig müssen Menschen ihre Wohnung und Heimat verlassen und können oftmals nur das Notwendigste mitnehmen.

Deshalb haben sich auf Initiative des Vereins KONTAKTE-KOHTAKTbI rund 30 Gedenkstätten, Museen sowie verschiedene Initiativen und Vereine aus der ganzen Bundesrepublik dazu entschlossen ein Hilfsnetzwerk für Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine aufzubauen, um schnell und unbürokratisch den hochbetagten Opfern der NS-Ausbeutungs- und Vernichtungspolitik und ihren Familien zu helfen.

Zu vielen haben die im Netzwerk vertretenen Einrichtungen seit einigen Jahren und Jahrzehnten Kontakt. Zudem brauchen unsere langjährigen Partnerorganisationen nicht nur in der Ukraine, sondern auch in Russland und Belarus Unterstützung: Für ihr Personal, aber auch bei der Sicherung ihrer Arbeitsergebnisse, Archivalien und Daten.

Für diesen Zweck wurde ein Spendenkonto eingerichtet, welches von dem Berliner Verein KONTAKTE-KOHTAKTbI, der seit vielen Jahren Erfahrungen mit Spendenauszahlungen in dieser Region hat, treuhänderisch verwaltet wird. Die Koordination des Netzwerkes wird freundlich unterstützt von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ).

Eine Internetseite, auf der fortlaufenden über den aktuellen Stand unserer Aktionen unterrichtet wird, finden Sie hier: www.hilfsnetzwerk-nsverfolgte.de

Pater Damian Weber CMM erinnert sich: "Es war im August 2007. Unser Mitbruder Christian Blouin, Bischof von Lae in Papua Neu Guinea, kam zu Besuch nach Rom und wünschte auch den Heiligen Vater treffen zu können. Papst Benedikt XVI. war schon in seinem Sommersitz in Castel Gandolfo. Dort gewährte er uns eine Privataudienz. Dieses Treffen entwickelte sich schließlich zu einem außerordentlichen Ereignis. Und zwar wegen Pater Engelmar Unzeitig, dessen Prozess für eine Seligsprechung schon seit mehreren Jahren lief.  Lasst mich erzählen:
Der Papst war natürlich informiert, dass Bischof Christian vom General der Mariannhiller Missionare begleitet wurde. Als er mir dann zum Gruß die Hand gab, fragte er mich mit spürbarem Interesse, ob der Prozess von Pater Engelmar vorankomme und wie es diesbezüglich gehe. Ich konnte ihm berichten, dass Vorbereitungen für die «Consulta Medica» gemacht werden, und dass wir zuversichtlich waren, dass ein endgültiges Urteil über das Wunder bald möglich sei. (Für eine Selig- oder Heiligsprechung braucht es immer ein Wunder. Um dann die Echtheit eines solchen Wunders zu bestätigen, wird es von drei Medizinern geprüft, und muss dann von mindestens zwei von ihnen bestätigt werden. Vor der endgültigen feierlichen Erklärung ist aber noch ein zusätzliches «Hindernis» eingebaut, eben die «Consulta Medica». In diesem Gremium von medizinischen Experten sind neben den drei aus der ersten Konsultation noch vier weitere Ärzte/Ärztinnen. Auch dieses Gremium muss dann mit zahlenmäßiger Mehrheit die Echtheit des Wunders bestätigen.)

Im Fall von Pater Engelmar hatten in der ersten Instanz zwei der Ärzte keine Zweifel an der Echtheit des Wunders. Daher waren wir zuversichtlich, dass auch die zweite Instanz zum selben Resultat kommen würde. Papst Benedikt XVI. war sichtlich erleichtert über meine Antwort und sagte dann, mit sicht- und spürbarer Erregung:  «Wir brauchen Pater Engelmar als Fürbitter Europas. Er kennt Europas Zerbrechlichkeit aus Erfahrung, und als Missionar weiß er auch, was Europa braucht.»

Die Consulta Medica endete dann allerdings nicht so, wie wir erhofft hatten. Aufgrund einsichtiger Argumente entschieden alle sieben einstimmig, dass das «Wunder» auch natürlich erklärt werden konnte. Als ich dann dieses Resultat Papst Benedikt XVI. berichten wollte, war ich überrascht zu sehen, dass er darüber bereits informiert war. Seine Reaktion war klar und bestimmt: Jetzt müsst ihr den Prozess neu aufrollen, und zwar für einen Märtyrer. Wir folgten diesem Rat und am 24. September 2016 durften wir in Würzburg das wunderschöne Fest der Seligsprechung von Pater Engelmar feiern.

In diesen Tagen, wo wir uns fragen, wie es mit Europa weitergehen soll, nicht nur im Zusammenhang mit der Ukraine und dem unbeschreiblichen Elend unzähliger unschuldiger Menschen, sind mir Papst Benedikts Worte wieder mit Wucht in den Sinn gekommen."

Seliger Pater Engelmar, bete für Europas Menschen und Völker, damit sie in Frieden leben und ihr christliches Erbe bewahren.

Anlässlich des Gedenkgottesdienstes zu Ehren des Seligen Pater Engelmar Unzeitig CMM in der Kirche St. Marien in Maria Veen sagte Pater Dr. Hubert Wendl CMM folgendes: "Unser Alltag läuft nicht mehr rund. Der Coronavirus hat uns jetzt schon zwei Jahre aus der Bahn geworfen. Und nun knirscht es seit Tagen auch gewaltig im Getriebe der Welt. Wir sind völlig aus unserer Ordnung geworfen, die uns bisher getragen hat. Vieles gerät durcheinander, nicht nur in der Ukraine. Wir spüren, wie sehr alles zusammen hängt. Wie wir aufeinander angewiesen sind mit Handelsketten, mit Importen und Exporten. Auf einmal ist unser Leben, an das wir uns gewohnt haben, bedroht. Ein Krieg ist ausgebrochen – vor unserer Haustür. Menschen kämpfen, Menschen sterben und Menschen fliehen vor Gewalt und Terror.

Solche Erfahrungen hat auch Pater Engelmar gemacht. Sein Leben verlief in ziemlich geordneten Kreisen, auch wenn es immer wieder geknirscht hat, wie etwa der frühe Tod seines Vaters. Aber er hat immer wieder eine Ordnung für sich gefunden, so dass er seinen Weg finden konnte. Pater Engelmar hatte sich unserer Gemeinschaft angeschlossen, weil er in die Mission gehen und den Glauben verkünden wollte. Nach seiner Priesterweihe am 6. August 1939 – kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges – konnte er nur kurze Zeit als Priester in Würzburg, Linz und als Pfarrprovisor in Glöckelberg wirken. Am 21. April 1941 erfolgte seine Verhaftung und nach sechs Wochen Aufenthalt im Linzer Gefängnis die Überführung in das KZ Dachau – ohne Verurteilung und ohne Gerichtsurteil. Er wurde einfach aus dem Weg geräumt.

Als junger Priester hat er sich um französische Kriegsgefangene gekümmert, wie dann als Gefangener im KZ Dachau vor allem um Inhaftierte aus dem Osten. Er hat sich da eingebracht, wo es sein eigenes Leben kosten sollte. Pater Engelmar hat sich nicht in sich selbst zurückgezogen, sondern im Gebet und in der Feier der heiligen Messe mit Gott kommuniziert und in aller Konsequenz anderen in ihren Leiden beigestanden. Es wird sogar berichtet, dass er im Konzentrationslager manchmal beinahe die Zählappelle verschwitzt hätte, weil er tief im Gebet vor dem Allerheiligsten in der Gefangenenkapelle versunken war. Der Krieg im Land war allen – auch im KZ – bewusst. Diese Nachrichten konnten von der Zensur nicht zurückgehalten werden. Wo es ihnen möglich war, versuchten die Gefangenen aufeinander zuzugehen und sich gegenseitig beizustehen.

Der Krieg war da im Land – spürbar für alle. Und dann geriet alles noch mehr in Unordnung, es war nicht nur Sand im Getriebe geraten, sondern es schien, als ob alle Zahnräder kaputt gingen und das Chaos ausbrach zu Beginn des Jahres 1945: Typhus brach im KZ aus – grenzenlos und nicht aufzuhalten. Pater Engelmar und einige Mitbrüder wussten genau, dass diese Krankheit einen schweren Verlauf hat und unweigerlich zum Tod führt. Sein Vater war im Ersten Weltkrieg gerade an dieser Krankheit gestorben. Und nun stellt sich Pater Engelmar zur Verfügung, um diese dem Tod geweihten Kranken zu helfen und ihnen beizustehen.

Sein Wunsch, in die Mission zu gehen, hat sich nicht erfüllt, aber er wurde nicht depressiv, sondern er erkannte, dass er auch hier in diesem Lager, „in dem das Böse regiert und wo wir leicht glauben könnten, von Gott und der Welt in unserem Leiden verlassen zu sein", wie er selbst schrieb, seine missionarische Berufung leben konnte – bis zur letzten Hingabe.

Am 2. März 1945 starb Pater Engelmar, nachdem er sich bei der Pflege in den Typhus-baracken selbst mit der tödlichen Krankheit angesteckt hatte. Einige Geistliche aus dem Priesterblock bemühten sich um seine Asche und schmuggelten sie auf abenteuerliche Weise aus dem KZ nach Würzburg. Nach seiner Seligsprechung im September 2016 wurde die Asche von Pater Engelmar im Altar unserer Kirche in Würzburg beigesetzt.

Es gibt viele Situationen, in denen unsere Welt aus den Fugen gerät, in der Sand ins Getriebe kommt und es gewaltig knirscht. Warum müssen Menschen in einem sinnlosen Krieg für den Machtanspruch eines Mannes sterben? Immer wieder lässt uns das Leben zweifeln: „Warum lässt Gott das zu?“

Es ist eine Frage, auf die es keine andere Antwort gibt als den gelebten Glauben. Ein Glaube, der Tat werden will und der in Liebe antwortet, auch in der Umgebung von Hass und Gewalt. Der Glaube kann dann wieder Ordnung in unsere Herzen bringen. Auch wenn ich selbst gefesselt bin, bleibt das Wort Gottes frei und hat die Kraft Fesseln abzustreifen. Es ist eine Freiheit, die auch uns in unserem Alltag tragen kann. So können dann auch wir sehen, wo unsere Liebe, wo wir selbst gebraucht werden.

Wir spüren die Angst, dass Fremdes uns überschwemmt; die Angst vor Hass, Mordlust und Krieg. Es fällt uns schwer zu reagieren und unseren Glauben zu bekennen. Der selige Pater Engelmar kann uns helfen, dass wir als Christen mehr Mut haben, dass wir uns nicht zurückdrängen lassen, dass das Chaos uns nicht beherrschen kann. Er kann uns helfen uns mit anderen zusammenzusetzen und gemeinsam über das Reich Gottes zu sprechen.

Wir müssen mit dem Glaubenszeugnis in die Öffentlichkeit, überzeugend mit einer ehrlichen christlichen Grundhaltung auftreten. Pater Engelmar kann uns helfen, mit unseren Mitteln, wo wir leben, uns für die Gerechtigkeit und für den Frieden einzusetzen.

Denn „Liebe verdoppelt die Kräfte, sie macht erfinderisch, macht innerlich frei und froh“ schreibt Pater Engelmar als Aufmunterung für sich – und für uns."

Festgottesdienst der Missionare von Mariannhill am Sonntag, 27. Februar, um 10 Uhr in der Kirche St. Marien in Maria Veen, Deutschland.

Am 2. März 1945 starb Pater Engelmar Unzeitig CMM im Alter von 34 Jahren an den Folgen einer Typhuserkrankung im KZ Dachau. Er hatte immer wieder seine Migtefangenen im Blick. Er teilte sein Essen mit ihnen und half, wo es ihm möglich war. Schon damals wurde er als Engel von Dachau bezeichnet. Er meldete sich für die Pflege von Kranken und infizierte sich dabei mit der tödlichen Krankheit. Am 24. September 2016 wurde er im Würzburger Dom selig gesprochen. In einem Brief aus dem KZ an seine Schwester schrieb er: "Liebe verdoppelt die Kräfte."

Die Missionare von Mariannhill laden zum Gedenken an den Seligen Pater Engelmar ein. Der Gottesdienst in der Kirche St. Marien in Maria Veen am Sonntag, 27. Februar beginnt um 10 Uhr. Die bekannten Corona-Maßnahmen sind zu beachten.

Das Online-Archiv der Arolsen Archives über die Opfer der NS-Verfolgung wächst weiter. 500.000 Namen sind nun bei einem Update hinzugekommen und online recherchierbar.

Tausende von Freiwilligen, die bei der Crowdsourcing-Initiative #everynamecounts mitmachen, haben die Namen erfasst.

  • Zudem haben die Arolsen Archives bei dem aktuellen Update weitere Sammlungen ergänzt, so dass nun insgesamt 28 Millionen Dokumente online zur Verfügung stehen.
  • Ein neues digitales Tool erklärt die Dokumente über Zwangsarbeit.

Bis 2025 wollen die Arolsen Archives den größten Teil der Sammlungen über die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung digital verfügbar machen, so dass eine ganz einfache Suche nach Informationen möglich ist. Mit dem aktuellen Update ist dieses Ziel wieder einen Schritt näher gerückt. „Die Arbeit der Freiwilligen für #everynamecounts wird jetzt in unserem Online-Archiv sichtbar“, erklärt Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives. „Dank ihrer Hilfe wächst dieses weltgrößte digitale Denkmal für die NS-Verfolgten jeden Tag.“

Bei der Crowdsourcing-Initiative #everynamecounts engagieren sich Menschen aus aller Welt. Sie bearbeiten auf einer Internet-Plattform Dokumente der Arolsen Archives, um sie nach Namen, Wohn- und Haftorten sowie weiteren Angaben durchsuchbar zu machen. Dazu gehören zum Beispiel Fragebögen, die Häftlinge bei ihrer Ankunft im Konzentrationslager beantworten mussten.

Insgesamt sind nach dem letzten Update 28 Millionen Dokumente über die Opfer und Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung im Online-Archiv der Arolsen Archives verfügbar.

Neue Hintergrundinfos zu den Dokumenten

Gleichzeitig zum Ausbau des Online-Archivs bieten die Arolsen Archives ein neues digitales Tool an, das die Dokumente erklärt und für alle Interessierten einfach verständlich macht. Erschienen ist jetzt der dritte und letzte Teil des e-Guides, der die zentralen

Dokumente über Zwangsarbeit anschaulich erläutert: Wen hat das NS-Regime zur Arbeit gezwungen und welche Informationen stehen auf den Meldeunterlagen? Der e-Guide bringt die Dokumente „zum Sprechen“ und macht das System und die Organisation der Zwangsarbeit nachvollziehbar. Die ersten beiden Teile des e-Guides erläutern die Dokumente aus den Konzentrationslagern und über Displaced Persons nach 1945.

Neu ist zudem, dass der e-Guide zu den KZ-Dokumenten nun neben Englisch und Deutsch auch auf Polnisch zur Verfügung steht. Die russische und französische Version folgt in Kürze. Die Angehörigen von Millionen NS-Verfolgten aus Mittelosteuropa erhalten so hilfreiche zusätzliche Informationen in ihrer Muttersprache.

  Zum e-Guide : https://eguide.arolsen-archives.org/

Dieser Link führt zum Online-Archiv der Arolsen Archives:

https://collections.arolsen-archives.org/search/

Über die Arolsen Archives

Die Arolsen Archives sind ein internationales Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie beinhaltet Dokumente zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes und ist eine wichtige Wissensquelle für die heutige Gesellschaft.

Am 26. September 1921, also vor hundert Jahren, empfing der Selige Pater Engelmar Unzeitig CMM in Zwittau, Tschechien, das Sakrament der Firmung. Das Foto zeigt ihn mit seiner Familie: (vlnr.) Elsa Knötig (Schwester); Emilie Schneider (Schwester): Sel. Pater Engelmar; Mutter Cäcilia Unzeitig (geb. Kohl); Großvater Johann Kohl (Vater der Mutter); Marie Unzeitig  (später Missionsschwester vom Kostbaren Blut, Schwester Huberta CPS) und Regina Unzeitig (später Missionsschwester vom Kostbaren Blut, Schwester Adelhilde CPS).

Zum fünfjährigen Jubiläum sendet der WDR ein ZeitZeichen, dass sich mit dem seligen Pater Engelmar Unzeitig CMM auseinandersetzt und an die Seligsprechung vor fünf Jahren im Würzburger Dom erinnert.

Die Sendung läuft um 9.45 Uhr im Radioprogramm von WDR 5 und um 17.45 Uhr auf WDR 3. Der auch „Engel von Dachau“ genannte Missionar von Mariannhill wurde vor fünf Jahren, am 24. September 2016, im Würzburger Kiliansdom seliggesprochen. Unzeitig war von den Nazis wegen „heimtückischer Äußerungen“ sowie „Verteidigung der Juden“ verhaftet und im Sommer 1941 in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert worden. Unter Lebensgefahr betreute er als Seelsorger Häftlinge, teilte mit ihnen seine kargen Essensrationen und meldete sich freiwillig zum Krankendienst in der Typhus-Baracke. Er starb zwei Monate vor der Befreiung des Lagers an dieser Krankheit. Das „ZeitZeichen“ gibt es auch als Podcast. Weitere Informationen und einen Direktlink zur Sendung: https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/seligsprechung-engelmar-unzeitig-100.html gibt es auf der Homepage des WDR .

Ab 1. Juli 2021 gehen unsere beiden #StolenMemory-Ausstellungscontainer auf Tour und werden bis Ende des Jahres an über 20 Orten in ganz Deutschland Halt machen, um ihre Türen für Besucher*innen zu öffnen. 

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Schicksale von zehn KZ-Häftlingen aus verschiedenen europäischen Ländern, deren persönliche Gegenstände Teil der Sammlung der Arolsen Archives sind. Einige dieser Erinnerungsstücke konnten wir bereits an die Familien der Verfolgten zurückgeben. In den anderen Fällen suchen wir noch die Angehörigen. Die Ausstellung lädt das Publikum ein, selbst auf Spurensuche zu gehen und die von den Nazis gestohlenen Erinnerungsstücke zurückzugeben.

Die Ausstellung im Übersee-Container wird durch die Maßnahme „Kultur im ländlichen Raum“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert und ist deshalb an vielen Standorten mit weniger als 20.000 Einwohner*innen zu Besuch. Die Wanderausstellung wird aber auch in größeren Städten wie Hamburg und Dortmund zu sehen sein. 

Begleitet wird die Wanderausstellung durch eine speziell für Jugendliche entwickelte Website mit animierten Filmen, Webstories, Interviews und pädagogischen Begleitmaterialien. Im Juni 2021 zeichnete die Jury des Grimme Online Awards die #StolenMemory-Website in der Kategorie „Bildung und Wissen“ aus.

Außerdem können Besucher*innen mit der #StolenMemory-App beim Ausstellungsbesuch Videoportraits von Angehörigen ansehen, die über die Bedeutung der Rückgaben sprechen. 

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