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Erhebung der Reliquien von Pater Engelmar Unzeitig in der Würzburger Herz-Jesu-Kirche – Vorbereitung auf Seligsprechung am 24. September im Kiliansdom – Bischof Hofmann: „Bis zum Ende Zeugnis abgelegt für die Liebe Gottes“

Würzburg (POW) In Vorbereitung auf die Seligsprechung des Mariannhiller Missionars Pater Engelmar Unzeitig (1911-1945) am 24. September 2016 im Würzburger Kiliansdom sind am Mittwoch, 25. Mai, in der Herz-Jesu-Kirche in Würzburg Reliquien aus der Urne mit den sterblichen Überresten Unzeitigs erhoben worden. Im Rahmen einer feierlichen „Recognitio canonica“ entnahm Dr. Andrea Ambrosi, römischer Postulator im Seligsprechungsverfahren, der Urne fünf Reliquien. Zugleich wurde eine kleine Dokumentenrolle gefunden, die nun von Experten untersucht werden soll. „Es ist schön, dass wir in einer würdigen Feier die Urne öffnen und die Reliquien erheben dürfen“, sagte Bischof Dr. Friedhelm Hofmann.

Neben Bischof Hofmann und Dr. Ambrosi nahmen Offizial Domkapitular Monsignore Dr. Stefan Rambacher, Bischöflicher Beauftragter im Seligsprechungsverfahren, und Dr. Sabrina Meckel-Pfannkuche, Ehebandverteidigerin im Bischöflichen Offizialat und Verwaltungskanonistin in der Kanzlei des Ordinariats, als Zeugen teil, außerdem Vizeoffizial Domvikar Thomas Drexler, Promotor Iustitiae des Seligsprechungsverfahrens, Diakon Dr. Dr. Jürgen Buchner als kirchlicher Notar sowie Professor Dr. Werner Strik als medizinischer Sachverständiger. Auch viele Mariannhiller Missionare waren gekommen, um diesen Moment mitzuerleben.

„Pater Engelmar Unzeitig hat das Todesleiden Jesu auf sich genommen, weil er bis zum Ende Zeugnis abgelegt hat für die Liebe und Menschenfreundlichkeit Gottes“, sagte Bischof Hofmann vor der Reliquienerhebung. „In seinem Tun ist er für andere zum sichtbaren Zeichen der Gnade Gottes geworden. Seine Reliquien sind auch uns bis heute ein Zeichen seines Christuszeugnisses.“ Die Seligsprechung wolle dieses Zeugnis den Glaubenden deutlich machen. Dann begannen Handwerker in der Grabkapelle Unzeitigs, das Grab zu öffnen. Vorsichtig schraubten sie die Grabplatte ab und hoben sie vom Grab. Dann öffneten sie das Grab. In der Tiefe war eine goldfarbene Urne zu sehen. Mariannhiller-Provinzial Pater Michael Maß kniete vor dem Grab nieder, hob die Urne vorsichtig aus der Vertiefung heraus und stellte sie auf einen Tisch. Doch der Deckel ließ sich nicht öffnen und musste aufgefräst werden.

Gemeinsam mit Buchner nahm Maß den Inhalt in Augenschein. Dabei fanden sie auch eine kleine Dokumentenrolle, in der leicht aufgequollenes Papier zu sehen war. Auch Bischof Hofmann und Ambrosi betrachteten den Inhalt der Urne, bevor Strik das medizinische Gutachten erstellte. Er beschrieb detailliert den Inhalt der Urne – Asche und Knochenstücke. Dann war es soweit: Mit einer Pinzette entnahm Ambrosi winzige Knochenstücke und legte sie in eine Schale. Insgesamt fünf Reliquien – eine ist für den Kiliansdom bestimmt, eine für die Mariannhiller Missionare und drei für künftige Altarweihen. Auch die Dokumentenrolle wurde entnommen. „Sie beinhaltet scheinbar ein Dokument, in dem vermutlich die Echtheit der Asche niedergeschrieben war“, vermutete Maß. „Scheinbar ist Feuchtigkeit in die Urne eingedrungen.“ Der Provinzial putzte die Rolle sorgfältig mit einem Tuch ab. Sie soll zur genaueren Untersuchung an einen Spezialisten übergeben werden. Das Tuch, an dem jetzt Asche aus der Urne haftete, rollte Maß eng zusammen und gab es mit in die Urne.

Die Urne konnte nun wieder verschlossen werden. Mitarbeiter des Offizialats umwickelten sie mit Kordeln und versiegelten sie mit rotem Wachs, in das Buchner einen Stempel mit dem Bischöflichen Siegel drückte. Maß nahm die Urne und stellte sie zurück in das Grab. Während das Grab wieder verschlossen wurde, las er Texte und Briefauszüge von Engelmar Unzeitig vor. Zum Abschluss der Zeremonie sprach Bischof Hofmann einen Segen. Maß dankte allen Anwesenden: „Ich danke allen, die diese Reliquienerhebung mit uns gefeiert haben.“

Seligsprechung Pater Engelmar Unzeitig

Die Seligsprechung des Mariannhiller Missionars Pater Engelmar Unzeitig (1911-1945) findet am Samstag, 24. September 2016, im Kiliansdom in Würzburg statt. Der Vertreter des Papstes bei den Feierlichkeiten wird Kardinal Angelo Amato sein, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse. Pater Engelmar Unzeitig war vier Jahre im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Freiwillig meldete er sich dort 1944 zur Pflege von Flecktyphus-Kranken. Hunderten von Todkranken spendete er die Sakramente. Mitgefangene rettete er vor dem Hungertod, indem er ihnen von seiner Essensration gab. Mithäftlinge bezeichneten ihn als „Engel von Dachau“. Unzeitig starb am 2. März 1945 an Flecktyphus. Am 21. Januar 2016 ernannte Papst Franziskus Pater Unzeitig zum Märtyrer. Pater Engelmar Unzeitig ist der erste Mariannhiller Missionar, der seliggesprochen wird. Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.engelmarunzeitig.de.

Reliquien

Die Verehrung von Reliquien geht bis in die Frühzeit des Christentums zurück. Schon in der alten Kirche spielten die sterblichen Überreste der Verehrten eine besondere Rolle. Als Ausdruck der Hoffnung auf die Auferstehung verehrten die Christen Gebeine und Gräber von Märtyrern besonders. Über ihren Gräbern errichtete man Kirchen, um in der Feier der Eucharistie mit ihnen in besonderer Weise verbunden zu sein. Im Mittelalter wurden die Knochen der Heiligen und Seligen in andere Kirchen verteilt, um überall diese Glaubensgemeinschaft mit den Heiligen und Seligen zu garantieren. Andere Gegenstände der Heiligen und Seligen – so genannte Berührungsreliquien – sollten die Verehrung durch die Gläubigen unterstützen und fördern. Noch heute werden Reliquien in die Altäre mit eingemauert, um die Glaubenstradition, in der Gottesdienst gefeiert wird, deutlich zu machen.

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