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Mehr als 250 Gläubige feiern mit Bischof Manfred Scheuer in Glöckelberg einen Wallfahrtsgottesdienst - „Fähigkeit für echte Beziehungen ist bedroht“

„Dieser Ort stehe für Versöhnung und Frieden über Grenzen hinweg“, daran erinnerte Bischof Manfred Scheuer in einem Festgottesdienst mit mehr als 250 Wallfahrern aus Österreich, Deutschland und Tschechien am Samstag, 17. Juni, in der ehemaligen Pfarrkirche in Glöckelberg, dem heutigen Zvonková in Tschechien, zu Ehren des Seligen Pater Engelmar Unzeitig. Der Selige war als Seelsorger von Oktober 1940 bis April 1941 bis zu seiner Verhaftung durch die Gestapo in diesem Ort im Böhmerwald tätig. Darauf wies auch der Regionalobere der Missionare von Mariannhill in Österreich, Pater Christoph Eisentraut, hin. „Wir freuen uns, dass wir in diesem Jahr die Wallfahrt zum ersten Mal nach der erfolgten Seligsprechung von Pater Engelmar im vergangenen Jahr durchführen dürfen.“

Mit Bischof Scheuer zelebrierten Pater Christoph Eisentraut und die Mariannhiller aus Österreich Pater Bernhard Pagitsch sowie Pater Franz Hrouda. Aus Deutschland waren Pater Dr. Hubert Wendl und Pater Anton Huber vertreten. Adelheid Weber, eine Nichte des Seligen Pater Engelmar, hatte die Aufgabe übernommen die Fürbitten vorzutragen. Für den musikalischen Rahmen sorgte der Alexius-Chor aus Hellmonsödt. Aus Hellmonsödt stammte auch Katharina Miny, die den Fußwallfahrern auf dem Weg von Schöneben nach Glöckelberg anhand von drei Stationen das Leben und Wirken des Seligen Pater Engelmar näher brachte.

Ausgehend von den Inschriften, die auf den zwei Glocken im Turm der ehemaligen Pfarrkirche hängen und die Wallfahrer zum Gottesdienst begrüßten, wies Bischof Scheuer auf die Wirkkraft der Versöhnung hin. Die große Glocke der Kirche in Glöckelberg im Böhmerwald mit 237 kg „Maria Königin des Friedens“ wurde vom Stift Schlägl gestiftet und trägt die lateinische Inschrift “QUI CREDIT VIVIT“ / Wer glaubt, der lebt“ und „POPULOS AD PACEM VOCO“ / „Ich rufe die Völker zum Frieden“. Die zweite mit 141 kg stiftete Horst Wondraschek und ist der hl. Ursula gewidmet. Sie trägt die lateinische Inschrift: „PER OMNES FINES AD RECONCILIATIONEM VOCO“ /„Über alle Grenzen hinweg rufe ich zur Versöhnung.“

Der Selige Pater Engelmar habe nach den Worten von Bischof Scheuer nicht in Kategorien von Überlegenheit und Minderwertigkeit, nicht in Kategorien von Herren und Sklaven, von Freunden und Feinden gedacht. „Er sah in anderen Völkern keine Rivalen, keine Gegner und Feinde.“ Denn Rivalität richte Grenzen auf zwischen Menschen, Rassen und Nationen und erzeuge Feindbilder. Durch Rivalität und Konkurrenz gehe laut Bischof Scheuer heute mehr und mehr die Fähigkeit verloren echte Beziehungen einzugehen und sich einem Miteinander zu öffnen.

Eine große Gefahr für das gemeinsame Miteinander ist laut Bischof Scheuer der Neid. „Der Neid ist die Traurigkeit über das Gut, über das Glück eines anderen. Wenn es einem anderen gut geht, so geht es mir schlecht. Wenn der andere gesund ist, so werde ich krank. Wenn der andere gewinnt, bin ich Verlierer.“ Es gebe das Schielen und Vergleichen, es gebe die Konkurrenz und eben den Neid, der Beziehungen nachhaltig vergifte. Die Seligen Pater Engelmar habe sich nicht durch den Neid vergiften lassen und haben das Liebesgebot Jesu bis zum Ende gelebt.

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