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Viele hundert Pilger haben sich am Samstag, 18. Juni 2016, an der Fußwallfahrt nach Glöckelberg im Böhmerwald beteiligt – Ort an dem Pater Engelmar Unzeitig im April 1941 von der Gestapo verhaftet wurde – Wortlaut der Predigt von Pater Tony Gathen CMM

Eine große Zahl von Pilgern hatte sich bei sommerlichen Temparaturen an der Fußwallfahrt entlang des Schwemmkanals auf der alten Straße nach Glöckelberg aufgemacht. Start war am Grenzübergang von Österreich nach Tschechien in Sonnenwald. Auf dem einstündigen Fußmarsch lud Pater Mario Muschik die Gläubigen mit Meditationen über Pater Engelmar zum Innehalten ein. In der ehemaligen Pfarrkirche von Glöckelberg wurden die Pilger von Horst Wondraschek sowie Provinzial Pater Markus Bucher herzlich begrüßt. Pater Tony Gathen war Hauptzelebrant des Gottesdienstes, der vom Kirchenchor aus Gallneukirchen musikalisch umrahmt wurde. 

Wortlaut der Predigt von Pater Tony Gathen CMM: 

Ich nehme an, wir sind uns alle einig darüber, dass eine Gedenkfeier für Pater Engelmar nicht nur eine nostalgische Übung ist, sondern immer wieder neu, eine Herausforderung ist, unser eigenes Gewissen zu erforschen. 

In einem seiner Briefe aus Dachau schreibt Pater Engelmar: „Es erschüttert einen oft, wenn man sieht und hört, wie die Menschen, die man trifft, trotz der Heimsuchungen, mit denen Gott an ihr Herzenskämmerlein anklopft und sie vom Seelenschlafe aufwecken will, weiter verstockt und verblendet dahinleben und eher verstockter und verbitterter werden. Andererseits erkennt man immer wieder, wie nach den Lehren unserer heiligen Religion, all die Rätsel und Schwierigkeiten, die anderen so zu schaffen machen, so schön gelöst werden und uns so viel Trost und Freude zuteilwird.“ 

Fast ist man versucht, wenn man diese Worte hört, den harten Hintergrund des Lebens oder Überlebens im KZ zu vergessen, vielleicht kommen sie einem etwas weltfremd vor.  Aber gerade in seinem Leben, im grausamen Alltag des KZ empfand Pater Engelmar den Trost und die Freude seines Glaubens, und gerade diesen Glauben wollte er ja verkünden. Er war Mariannhiller geworden, weil er als Missionar in die Welt hinausgehen wollte. Und nun wirkte er als Missionar im KZ und konnte anderen den Trost des Glaubens, und die Freude an Gott weitergeben. Ja, es gelang ihm, selbst in Dachau, missionarisch tätig zu werden. Er hat am eigenen Leib erfahren, dass das Evangelium nicht zu fesseln ist, sondern dass es uns befreien kann.  Er lernte in seinen wenigen freien Minuten Russisch, um mit einigen russischen Gefangenen zu sprechen, was strengstens verboten war. Heimlich und im Stillen gab er einigen auch religiösen Unterricht.
Sein Mitleid und seine Mit Sorge waren aber nicht nur auf die Mitgefangenen im Lager begrenzt. Er wusste, was der Krieg in Deutschland angerichtet hatte.  Er war ergriffen von der Situation im Land und vom Leid, das so viele Menschen heimgesucht hatte.  In einer Lebenssituation, in der viele sich nur auf sich selbst zurückgezogen hatten, um ihr eigenes Überleben in Not und Leid zu sichern, war Pater Engelmar noch fähig, das Leid anderer zu sehen und mit den Möglichkeiten zu antworten, die er hatte. Es ist schon ein Zeichen großer Nächstenliebe als gedemütigter Gefangener im KZ, im Gebet nicht nur an sich selbst zu denken, sondern andere mit einzubeziehen. Seine innere Haltung war geprägt von dem Wort des Evangeliums, segnet die, die euch hassen; betet für die, die euch verfolgen.  Sein Glaube, dass das Evangelium nicht zu fesseln ist, half ihm dabei, seinen Horizont zu weiten und in seiner missionarischen Lebensweise nicht bei sich stehen zu bleiben.  Am 2. März 1945 starb Pater Engelmar, nachdem er sich bei der Pflege in den Typhus Baracken selbst mit der tödlichen Krankheit angesteckt hatte.

Liebe Schwestern und Brüder!

Es gibt viele Situationen, die uns immer wieder fragen lassen. „Warum lässt Gott das zu?“  Eine Frage, auf die es keine andere Antwort gibt als im Glauben.  Ein Glaube, der Tat werden will, und der in Liebe antwortet, auch in der Umgebung von Hass und Gewalt im dritten Reich.  Auch in unserer Zeit des Wohlstands und des Profit-strebens müssen wir uns bemühen die Gleichgültigkeit und Vergnügungssucht zu überwinden.  Der Glaube kann dann wieder Ordnung in unsere Herzen bringen. Auch wenn ich selbst gefesselt bin, in meiner Selbstsucht oder in anderen Arten von Sucht und Abhängigkeit, bleibt das Wort Gottes doch frei und hat die Kraft Fesseln zu durch-brechen. Es ist eine Freiheit, die auch uns in unserem Alltag tragen kann.

So können dann auch wir sehen, wo unsere Liebe, wo wir gebraucht werden. Denn in den Worten von Pater Engelmar, „Liebe verdoppelt die Kräfte, sie macht erfinderisch, macht innerlich frei und froh.“ 

Verdienterweise wird Pater Engelmar nun am 24. September 2016, im Hohen Dom zu Würzburg, seliggesprochen. Wir wollen nun beten, dass die Freiheit, die Liebe und die Freude am Glauben, die die Welt nicht geben kann, in uns wachsen mögen.

 

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