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Pater Engelmar Unzeitig wird im September seliggesprochen – ein Lebensbild (Teil 1) – Als „Engel von Dachau“ und „Maximilian Kolbe der Deutschen“ wird der Mariannhiller Missionar Pater Engelmar Unzeitig (1911–1945) oft bezeichnet. Im Alter von 30 Jahren wurde der Ordensmann 1941 wegen „heimtückischer Äußerungen“ und „Verteidigung der Juden“ von der Gestapo verhaftet und im Konzentrationslager (KZ) Dachau inhaftiert. Nachdem er sich freiwillig für die Krankenpflege in den Typhusbaracken gemeldet hatte, ging er als „Märtyrer der Nächstenliebe“ in den Tod.

„Versäume nicht, den Spuren der Heiligen und Guten zu folgen!” So schrieb einst Thomas von Aquin an seinen Mitbruder Frater Johannes, der sich anschickte, Theologie zu studieren.

Den Spuren der Heiligen und Guten folgen. Richtig! Aber welchen Heiligen? Welchen Guten? – Nach Meinung der Kirche gibt es „ein Heer von Millionen und Abermillionen stiller Heiliger in der zweitausendjährigen Geschichte der Kirche”, schreibt Kirchenrechtsprofessor Winfried Schulz. Wenn die Kirche mittels eines vorausgegangenen „Prozesses” Erkundigungen einzieht und die Selig- beziehungsweise Heiligsprechung einer bestimmten Person einleitet, dann soll damit unter anderem auch auf den besonderen Zeugnischarakter des oder der Betreffenden verwiesen werden.

Bei dem Mariannhiller Missionar Pater Engelmar Hubert Unzeitig wurde am 26. Juli 1991 das „Diözesane Erhebungsverfahren” vom damaligen Bischof Paul-Werner Scheele eröffnet. Der unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefundenen konstituierenden Sitzung ging eine kurze Andacht in der Krypta der Herz- Jesu-Kirche in Würzburg voraus, an der nicht nur die Mariannhiller Missionare teilnahmen, sondern auch nahe Verwandte Pater Engelmars sowie ehemalige Mithäftlinge der Priesterbaracke in Dachau. Weitere wichtige Schritte Richtung Seligsprechung wurden im Laufe der letzten 25 Jahre in Rom getätigt, zuletzt unter der Leitung des Postulators Dr. Andrea Ambrosi.

Pater Engelmar hat viele Spuren der Liebe hinterlassen. Er hat Zeugnis abgelegt; er hat Wegzeichen gesetzt – vor allem während der letzten Wochen und Monate seines Lebens im Konzentrationslager Dachau. Dort ist er den Tod eines Märtyrers der Nächstenliebe gestorben. Dass wir relativ gut über sein Leben und Wirken in Dachau unterrichtet sind, verdanken wir den über 70 Briefen, die er aus dem KZ geschrieben hat und die erhalten geblieben sind – sowie den detaillierten Berichten ehemaliger Mithäftlinge im sogenannten Priesterblock des Lagers, von denen ich rund sechs Dutzend persönlich kennenlernen durfte. Sie alle bezeugten: Pater Engelmar war mit 34 Jahren freiwillig in die Todesbaracke von Dachau gegangen, pflegte dort überwiegend ukrainische und russische Häftlinge, die an Typhus erkrankt und von der SS-Lagerleitung dem Tod überlassen worden waren. Pater Engelmar spendete den Todkranken, wenn es erwünscht war, die Sakramente und wurde schließlich selbst Opfer dieser tückischen Seuche.

Sein Leben

Die äußeren Lebensdaten von Hubert Unzeitig sind rasch erzählt: Er wurde am 1. März 1911 in Greifendorf im mährischen Schönhengstgau (Tschechien) geboren – als einziger Junge unter vier Mädchen. Der Vater, Landwirt von Beruf, starb 1916 in russischer Gefangenschaft, wahrscheinlich an Typhus. Als 17-Jähriger meldete sich Hubert (so sein Taufname) im Spätberufenen-Seminar der Missionare von Mariannhill in Reimlingen/Diözese Augsburg, machte 1934 das Abitur und ging anschließend ins Noviziat im holländischen St. Paul bei Arcen/Venlo. Hier erhielt er den Ordensnamen Frater/Pater Engelmar. Philosophie und Theologie studierte er in Würzburg, wo er im August 1939 von Bischof Matthias Ehrenfried zum Priester geweiht wurde. Noch während seines Primiz-urlaubs in seiner Heimatgemeinde Greifendorf in Mähren begann der Zweite Weltkrieg.

Pater Engelmar wirkte vorübergehend in Riedegg bei Linz/Österreich und übernahm im Herbst 1940 die Seelsorgestelle Glöckelberg im Böhmerwald/Tschechien. Ein halbes Jahr später wurde er „wegen heimtückischer Äußerungen und Verteidigung der Juden“ angezeigt und am 21. April 1941 von zwei Gestapoleuten abgeführt. Es folgten sechs Wochen Untersuchungshaft in Linz/Donau; dann wurde er am 3. Juni 1941 in das Konzentrationslager Dachau „überstellt“. Damit begann der leidvolle Weg seines jungen Priesterlebens; er war erst 30 Jahre alt und noch keine zwei Jahre Priester.

Dachau

Was im KZ auf ihn wartete, war hart, unmenschlich, widerlich, mitunter satanisch: Sträflingskleidung, Holzschuhe, Hungerkost, seelischer Terror, Zwangsarbeit bei Sommerhitze wie Winterkälte und steter militärischer Drill. Mensch war dort keiner mehr, nicht in den Augen der SS; nur noch Nummer. Pater Engelmar trug die Lagernummer 26 147. Dass er sich trotz schrecklicher Schikanen mühte, auch religiös durchzuhalten, vermerkte er bereits in einem seiner ersten Briefe aus dem KZ: „Ich suche die Zeit hier so gut als möglich auszunützen für die seelische und religiöse Vervollkommnung. Nicht an letzter Stelle stehen auf meinem Programm Gebet und Sühne.“

Jesuitenpater Lenz, ehemaliger KZ-Häftling und mit Pater Engelmar befreundet, nannte Dachau einmal das „größte Kloster der Welt“. Fast 3000 Priester lebten und litten dort zeitweise auf engstem Raum. Sie waren in zwei Baracken untergebracht; die deutschsprachigen Priesterhäftlinge auf Block 26, die Mehrzahl der polnischen Geistlichen im Block nebenan, auf 28. Seit Anfang 1941 gab es in der deutschen Priesterbaracke eine „Lagerkapelle“.

Für Pater Engelmar und viele seiner Mithäftlinge, unter ihnen der 2011 seliggesprochene Würzburger Diözesanpriester Georg Häfner sowie Diakon Karl Leisner, der im Dezember 1944 heimlich im Dachauer Lager zum Pries- ter geweiht wurde, war die KZ-Haft nicht nur ein Leidensweg, sondern auch eine Schule des Gebetes. Einer der ehemaligen Priester-Häftlinge meinte später mit Recht, die eigentliche Gnade dieser Jahre sei es gewesen, in Dachau Gott intensiver gesucht zu haben.

Ab April 1942 arbeitete Pater Engelmar auf der Plantage, einem Gelände, das viele Hektar umfasste und größtenteils aus Gewürzgärten und Versuchsfeldern bestand. Zu Hunderten rutschten die Häftlinge auf den Knien, jäteten Unkraut und krochen in pestartig stinkenden Wassergräben herum, ohne jeden Schutz vor der Witterung oder vor den Kapos (Häftlings-Vorarbeitern), die sie oft wie Vieh misshandelten. Hans Brantzen, der mit Pater Engelmar auf der Plantage arbeitete, äußerte sich später über den Mariannhiller Pater in bewegenden Worten: „Es waren furchtbare Monate. Wir mussten Schubkarren schieben und Beete ausheben; wir saßen bei Regen und Sturm auf Pikierbeeten, Unzeitig und ich, oft zusammen. Ohne ein falsches Loblied singen zu müssen, darf ich beteuern: Er war immer der Gleiche; wenn andere klagten und heimdachten an die guten alten Tage, schaute er nach oben zum Vater. Und es half! Hauptpunkte seines feinen Charakters waren Bescheidenheit, Ruhe und Verträglichkeit in der Enge des Blocks. All das ließ ihn nicht auffallen. Was auffiel, war seine Güte, wenn er bei den Mitbrüdern für andere arme Häftlinge bettelte … – Wenn wir von der harten Arbeit zurückkamen, um unseren Schlag Steckrüben oder anderes (KZ-Essen) zu fassen, sah man ihn in die Kapelle gehen, bevor er die Stube betrat. Abends war Unzeitig stets für Minuten in der Kapelle zu sehen. Desgleichen vor jedem Antreten. Mit größtem Heroismus blieb er stets gleich hilfsbereit und still ...“

Mut-Macher

In einem Brief vom 15. Dezember 1941 schrieb Pater Engelmar an seine Lieben zu Hause: „Was vielleicht manchmal als Unglück erscheint, ist oft das größte Glück. Wie vieles lernt der Mensch erst durch die Erfahrung in der Schule des Lebens!“ – Ein paar Monate später: „Hoffen wir, dass Getreide und Obst doch noch in etwa gute Ernten einbringen, damit das Hungergespenst nicht wieder beschworen werde und sich Gott auch derer wieder erbarme, die bei jedem Bissen Brot auf den guten Willen anderer angewiesen sind.“ Das war eine wenngleich verschlüsselte, doch unüberhörbare Nachricht vom eigenen Schicksal und der eigenen Mutlosigkeit im Hungerjahr 1942, das die Dachauer KZ-Häftlinge besonders stark getroffen hatte.

Der zweite Teil folgt in der übernächsten Ausgabe des Sonntagsblattes. 

Sein Leben, sein Wirken Aus der Reihe „Würzburger Hefte“ sind noch Exemplare der Ausgabe „Christuszeugen in schwerer Zeit: Pfarrer Georg Häfner – Pater Engelmar Unzeitig CMM“ (7/2009) kostenlos erhältlich. Das Heft legt den Schwerpunkt auf das Leben und Wirken der beiden Märtyrerpriester während der Zeit des Nationalsozialismus. Der Mariannhiller Missionar Pater Engelmar Unzeitig (1911–1945) wird am Samstag, 24. September 2016, im Kiliansdom in Würzburg seliggesprochen. Kontakt: Hauptabteilung Hochschule, Schule und Erziehung, Bischöfliches Ordinariat, Domerschulstraße 2, 97070 Würzburg, Telefon 0931/ 386374. Mehr Informationen zu Pater Engelmar Unzeitig finden sich im Internet unter: „www.engelmarunzeitig.de”.

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