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Generalsuperior der Missionare von Mariannhill sprach beim Oasentag über den Märtyrerpriester Pater Engelmar Unzeitig – Pater Damian Weber: „Wagen auch wir es, in der Oase des Kreuzes die Liebe Gottes neu zu entdecken“

Welche Anregungen das Lebenszeugnis von Pater Engelmar Unzeitig, der im Konzentrationslager Dachau den Märtyrertod starb, den Menschen von heute geben kann, hat Pater Damian Weber, Generalsuperior der Marianhiller Missionare, beim Oasentag für Priester, Diakone und Priesteramtskandidaten am Montag, 21. März, in der Würzburger Seminarkirche Sankt Michael erläutert. „Geht es uns zu gut, sind wir zu beschäftigt, um zu wissen, dass Gott mich sucht?“, fragte er provokant in die Runde.

„‚Gott braucht uns nicht‘, sagt Pater Engelmar Unzeitig. ‚Doch er will meine Hingabe, meine Liebe, mein Opfer‘“. Wie Weber weiter ausführte, habe Unzeitig in der „Hölle von Dachau“ einen Beitrag dazu leisten können, „die Welt ins Vaterhaus heimholen zu können“. „Pater Engelmar wusste, dass hier im KZ etwas schiefläuft. Aber er wusste auch: Da ist einer, der die Menschen beim Namen ruft.“

Wie die Israeliten in der Wüste, die von den Schlangen bedrängt wurden, auf die an einem Stab erhöhte Metallschlange blickten und gerettet wurden, habe Unzeitig im Bewusstsein gelebt: „In dieser Hölle gibt es nur diese Zusicherung: das Vertrauen auf Gott.“ Der Mariannhiller habe in seinen Briefen deutlich gemacht, dass er in Dachau nicht so als Priester aktiv sein könne, wie er es gerne wäre. „Er musste passiv sein. Und ‚passiv‘, das heißt im engen und ursprünglichen Sinn des lateinischen Worts ‚leidend‘.“

Im August 1943 schrieb Unzeitig: „Wenn ich heute an meinem Primiztag bedenke, dass ich nun schon die längste Zeit meines Priestertums herinnen verbringe, so muss man doch sagen, Gottes Wege sind wunderbar. Ja, Gott braucht uns nicht, nur unsere Liebe, unsere Hingabe, unser Opfer. So hoffe ich auch, den unzähligen Heimatlosen, all den Hilf- und Trostlosen, besonders in den schwer heimgesuchten Städten, in etwa zu Hilfe kommen zu können. Dazu hat uns wohl Gott aus der aktiven Seelsorge herausgenommen, dass wir als große Beterschar durch Gebet und Opfer zu Gott um Gnade und Erbarmen flehen für unsere Brüder und Schwestern draußen.“

Weber erklärte, es sei wichtig, das Leiden im Leben anzunehmen als Geschenk und Opfergabe. „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingegeben hat.“ Deswegen sei Unzeitig auch nicht an der Unmenschlichkeit im Konzentrationslager verzweifelt, wo es wichtig war, bei guten Taten und aktiver Hilfe für den Nächsten nicht erwischt zu werden. „Dachau war kein Ort für Altruismus.“ Dennoch sei der Priester Unzeitig daran nicht zerbrochen, weil er nicht an der Treue Gottes habe zweifeln wollen, betonte der Generalsuperior der Mariannhiller Missionare. „Wagen auch wir es, in der Oase des Kreuzes die Liebe Gottes neu zu entdecken“, rief er den Zuhörern in der Michaelskirche zu.

Pater Engelmar Unzeitig wurde als Hubert Unzeitig am 1. März 1911 in Greifendorf in Ostmähren geboren. Am 18. April 1928 begann er seine Ausbildung an der Mariannhiller Schule in Reimlingen und legte im April 1934 sein Abitur ab. Noch im gleichen Monat begann er im Missionshaus Sankt Paul in den Niederlanden sein Noviziat und erhielt den Namen Frater Engelmar. In Würzburg studierte er Philosophie und Theologie und empfing 1939 die Priesterweihe. Danach wirkte er als Pfarrer in Glöckelberg im Böhmerwald. Weil er im Religionsunterricht und in seinen Predigten gegen die Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten protestierte, wurde er 1941 durch die Gestapo verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Freiwillig meldete er sich dort 1944 zur Pflege von Flecktyphus-Kranken. Hunderten von Todkranken spendete er die Sakramente. Mitgefangene rettete er vor dem Hungertod, indem er ihnen von seiner Essensration gab. Mithäftlinge bezeichneten ihn als „Engel von Dachau“. Unzeitig starb am 2. März 1945 an Flecktyphus. Seine Asche wurde aus dem Konzentrationslager geschmuggelt und auf dem Würzburger Hauptfriedhof beigesetzt. Seit 1968 ist die Urne in einer Seitenkapelle der Mariannhiller Herz-Jesu-Kirche in Würzburg bestattet. Am 24. September 2016 wird Unzeitig in Würzburg seliggesprochen.

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